Das Wohlbefinden und Vertrauen des Kindes
Das Kind benötigt in der Situation Vertrauen in den und den Gesprächspartner; es soll keinen negativen Stress verspüren und durch die Bezugsperson nicht irritiert werden. Bei wahrgenommenen Irritationen begibt sich das Kind automatisch auf die Suche nach der Ursache. Dies ist entwicklungsgeschichtlich begründet: In Gefahrensituationen der Stammesgeschichte war das Erkennen von Warnsignalen im Verhalten von Bezugspersonen überlebenswichtig, etwa bei Bedrohungen in der Umwelt. Heutige Kinder reagieren in gleicher Weise auf Unklarheiten oder Irritationen im Ausdruck des Gesprächspartners. Da die Kapazitäten des menschlichen Gehirns begrenzt sind, bindet die Suche nach der Ursache einer Irritation die Aufmerksamkeit, sodass keine kognitiven Kapazitäten für sprachliche Elemente wie neue Wörter oder grammatikalische Regeln zur Verfügung stehen.
Zahlreiche Sprachbildungsstrategien setzen genau an dieser Stelle an: Durch eine freundliche Mimik, eine angenehme Stimme, Blickkontakt, die Erwartung einer Response als Reaktion auf das kindliche Verhalten oder durch das Sprechen auf Augenhöhe wird dem Kind signalisiert, dass Sicherheit besteht und Vertrauen in die Situation möglich ist. Dies ermöglicht eine vollständige Ausrichtung auf die Kommunikation und die Freude am Dialog.
Zwei weitere Grundhaltungen beziehungsweise Vorannahmen spielen hier ebenfalls eine wesentliche Rolle: und aufseiten der Bezugsperson.
Sprechfreude
Wann lernt ein Kind besonders gut sprechen? Wenn es mit Freude spricht. Wenn Kinder mit Freude sprechen, erhöhen sie ihren Sprachanteil und können sich ganz der Kommunikation und beiläufig den sprachlichen Elementen wie Wörtern, und widmen. Sie erleben sich als sicher und im Zentrum der Kommunikation. Die Sprechfreude nimmt in der daher stets eine zentrale Position ein.
Authentizität der Bezugsperson
Die Authentizität der Bezugsperson bildet eine der wichtigsten Grundlagen für die Wirksamkeit von Sprachbildungsstrategien. Ist der Sprachausdruck der Gesprächsperson nicht authentisch, sondern inkongruent (Inhalt und Form des Gesagten stimmen nicht überein), übertrieben oder stark reduziert, entsteht beim Kind eine Irritation. Das Kind begibt sich auf die Suche nach der Ursache, wodurch sprachliche Lernprozesse zurücktreten. Die Authentizität der Bezugsperson ist in diesem Zusammenhang wichtiger als die formale Richtigkeit des Sprachausdrucks.
Berücksichtigung des Aufmerksamkeitsfokus des Kindes
Wenn über das gesprochen wird, worauf der des Kindes in der Situation ohnehin gerichtet ist, kann das Kind neue sprachliche Strukturen (Wörter, Grammatik, Aussprache) wesentlich besser aufnehmen und verinnerlichen. Dies stellt den großen Vorteil der alltagsintegrierten Sprachbildung dar: Sprache findet in natürlichen Situationen statt, und es wird das versprachlicht, was im Moment für das Kind im Vordergrund steht.
Die hat sich in diesem Kontext als weniger wirksam erwiesen, da die betroffenen Kinder oft aus der gegebenen Situation herausgeholt und auf Gegenstände lenkbar wurden, mit denen sie sich aktuell nicht beschäftigten. Dennoch besitzt die additive Sprachförderung in bestimmten Fällen ihre Berechtigung und kann in Kindertageseinrichtungen zum Einsatz kommen, wenngleich die alltagsintegrierte Sprachbildung im Vordergrund stehen sollte.
Zu den Sprachbildungsstrategien, die den momentanen Aufmerksamkeitsfokus des Kindes berücksichtigen, gehören:
- handlungsbegleitendes Sprechen
- Benennen
- Response
- Berücksichtigung des triangulären Blickkontakts
- verbesserte Wiederholung
- Turn-Taking
