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Das Stufenmodell des Schriftspracherwerbs nach Uta Frith

Kinder begegnen Schrift, lange bevor sie lesen und schreiben können. Sie erkennen Markenlogos, „lesen“ ihren Namen an der Garderobe oder kritzeln Zeichenreihen auf Papier. Erweiterte Modelle in Anlehnung an die Entwicklungspsychologin Uta Frith ordnen den Weg zur Schriftsprache in vier Phasen. Das Modell dient der Einordnung und fachlichen Begleitung kindlicher Schreib- und Leseversuche.

Von Udo Elfert
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Warum ein Phasenmodell für die Kita nützlich ist

Frith beschreibt den als schrittweisen Aufbau von Strategien. Kinder nutzen zunächst Bilder und Formen, später einzelne Laute und schließlich orthographische Regeln. Die Phasen verlaufen nicht streng linear, sondern überlappen sich; so schreibt ein Kind in einem Wort bereits alphabetisch, während es andere noch als Ganzbild erfasst.

In der Praxis tritt die klassische Fehlerkorrektur hinter eine ressourcenorientierte Begleitung zurück, da jeder Schreibversuch einen entwicklungsspezifischen Schritt abbildet.

Die präliteral-symbolische Phase

Die bezeichnet die früheste Auseinandersetzung mit Schrift, in der Kinder Symbole und Bilder als Bedeutungsträger begreifen, ohne einzelne Buchstaben zu unterscheiden. Kinder wissen: Zeichen können etwas „sagen“.

Dies zeigt sich, wenn ein jüngeres Kind eine Wellenlinie malt und erklärt: „Das ist ein Brief für Oma.“ Es imitiert Schreibbewegungen und ahmt das Vorlesen mit dem Bilderbuch nach. , Vorlesesituationen und frei zugängliche Stifte bilden hierfür den Rahmen.

Die logographemische Phase

In der erkennen Kinder Wörter als Ganzbilder. Sie stützen sich auf Merkmale wie Farbe, Länge oder markante Buchstaben, ohne die Laut-Buchstaben-Beziehung zu nutzen.

Ein Kind im Vorschulalter erkennt seinen Namen an der Garderobe am ersten Buchstaben und der Gesamtform. Es „liest“ das Logo eines Supermarktes, weil es Farbe und Schriftbild kennt. Vertauscht man die Buchstaben, wird das Wort nicht mehr erkannt – ein Hinweis darauf, dass die Verknüpfung von Laut und Zeichen noch nicht greift.

Die Begleitung dieser Phase erfolgt durch sichtbare Namenszüge, Bildkarten mit Schriftzügen sowie die Einbindung von Schrift im Alltag (etwa auf Milchpackungen, Ausgangsschildern oder im Wochenplan).

Die alphabetische Phase

Mit der entdecken Kinder das Prinzip der Schrift: Buchstaben stehen für Laute. Sie schreiben, was sie hören, und lesen, indem sie Laute zusammenschleifen. Dabei entstehen lautgetreue Schreibungen wie „MAMA“, „SONE“ (Sonne) oder „FATA“ (Vater).

Solche Verschriftungen sind kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck einer wichtigen Einsicht. Ein älteres Vorschulkind schreibt auf einen Zettel „ICH LIB DICH" und legt ihn der Bezugsperson auf den Tisch. Es analysiert Wörter in Laute und ordnet Zeichen zu.

Reime, Silbenklatschen, Anlautspiele und gemeinsames Sprechen über Buchstaben stärken diese Fähigkeit. Eine wertschätzende auf Schreibversuche – „Du hast ‚Mama‘ ganz genau so aufgeschrieben, wie du es hörst" – bestätigt das Kind in seiner Entdeckung.

Die orthographische Phase

In der orthographischen Phase erweitern Kinder ihr lautgetreues Schreiben um Regeln der Rechtschreibung. Sie erkennen Wortbausteine, Dopplungen, Dehnungen und stumme Buchstaben. Diese Phase beginnt in der Regel im Grundschulalter und wird in der Kita meist nur angebahnt.

In der Kita zeigen sich Vorläufer, wenn ein Kind bemerkt, dass „Hund" am Ende nicht wie „t" geschrieben wird, obwohl es so klingt. Solche bilden fachliche Gesprächsanlässe.

Kindliche Schreibversuche im Team einordnen

Das Frith-Modell eignet sich für Teamfortbildungen. Hierzu werden Schreibproben aus der Einrichtung (wie Namensschilder, gemalte Briefe oder Zettel aus dem ) gesammelt, gemeinsam den Phasen zugeordnet und Beobachtungen ausgetauscht.

Leitfragen für den Austausch:

  • Welche Strategie nutzt das Kind gerade?
  • Woran ist dies erkennbar?
  • Welche Materialien und Situationen stützen den nächsten Schritt?
  • Wie erfolgt eine wertschätzende Response auf Schreibversuche?

und Schriftbegleitung sind pädagogische Aufgaben. Bei anhaltenden Auffälligkeiten in Sprache oder Wahrnehmung ist die Rücksprache mit Fachberatung oder einer logopädischen Fachkraft der richtige Weg.

Ihre Haltung macht den Unterschied

Kinder erwerben Schriftkompetenz durch eigenständige Erprobung. Jeder Schreibversuch und jede nicht konventionelle Verschriftung belegen einen aktiven Denkprozess. Die Sichtbarmachung, Berücksichtigung und sprachliche Begleitung dieser Versuche stärken die Freude an der Schrift lange vor dem Schuleintritt.

Die beobachteter Schreibversuche und deren Zuordnung zu den Phasen nach Frith bilden einen Bestandteil der Praxis.

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