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Der Erwerb der ersten Wörter um den ersten Geburtstag

Zwischen dem zehnten und vierzehnten Lebensmonat wird ein Laut gezielt und bedeutungstragend eingesetzt. Ein Kind sagt „baba", wenn es seinen Becher sieht, oder „mama", wenn es die vertraute Bezugsperson ruft. Hinter scheinbar zufälligen Lauten steht ein längerer Vorbereitungsprozess – motorisch, sensorisch und kommunikativ. Für pädagogische Fachkräfte im U3-Bereich und Kindertagespflegepersonen ist dieser Übergang besonders relevant. Sie begleiten Kinder in jener Phase, in der aus Lauten Sprache wird. Die systematische der ersten Wörter – Form, Zeitpunkt, Klang – schärft die Wahrnehmung für sprachliche Entwicklungsschritte und liefert Orientierung bei ungewöhnlichem Verlauf. Dieser beleuchtet, wann und warum die ersten Wörter entstehen, welche Lautmuster sie prägen und wie Beobachtung und Gestaltung im pädagogischen Alltag erfolgen.

Von Udo Elfert
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Wann Kinder ihre ersten Wörter sprechen

Als grober Orientierungswert gilt: Kinder produzieren ihre ersten bedeutungsvollen Wörter üblicherweise um den ersten Geburtstag, etwa zwischen 10;0 und 14;0. Einzelne Kinder sind früher, andere benötigen mehr Zeit. Diese Varianz liegt im Normbereich.

Abklärungsbedarf besteht, wenn ein Kind mit etwa 1;6 noch keine erkennbaren Wörter produziert. In diesem Fall ist eine Abklärung angezeigt – nicht als , sondern zur Orientierung. Eine mögliche Hörstörung zählt zu den Ursachen, die frühzeitig auszuschließen sind, da sie die Sprachentwicklung grundlegend beeinflusst. Diese Einschätzung obliegt medizinischen Fachpersonen und logopädischen Fachkräften. Pädagogische Fachkräfte beobachten, dokumentieren und empfehlen bei Bedarf eine Beratung; Diagnosen werden nicht gestellt.

Von der Lallphase zum ersten Wort

Die ersten Wörter gehen aus der hervor, die grob zwischen dem sechsten und zehnten Lebensmonat liegt. In dieser Phase werden systematisch Silbenketten geübt: „bababa", „mamama", „dadada". Diese – die Wiederholung identischer Silben in Folge – dient nicht nur dem spielerischen Stimmgebrauch.

Sie ist eine artikulatorische Vorbereitung. Mundbewegungen werden erprobt, Atmung, Stimme und Zungeneinsatz koordiniert und bestimmte Lautkombinationen mit zunehmender Kontrolle erzeugt. Wenn aus „mamama" ein gezielt eingesetztes „mama" wird, ist der Übergang in den Erstworterwerb – den Erwerb der ersten bedeutungsvollen Wörter – vollzogen.

Dieser Übergang wird begleitet, indem Lallsequenzen aufgegriffen und in sprachliche Interaktion eingebettet werden: Ein Kind, das „baba" lautiert, während es sein Brot hält, erhält eine wie „Ja, dein Brot! Brot ist lecker." So wird der Laut mit Bedeutung verknüpft, ohne Druck auf das Kind.

Warum vordere Laute dominieren

In frühen Wörtern treten weltweit häufig Konsonanten wie /b/, /p/, /d/, /t/ und /n/ auf. Diese Laute gehören zur vorderen – sie entstehen an den Lippen, am Zahndamm oder an den vorderen Gaumenregionen.

, die Wissenschaft von den Lauten einer Sprache und ihrer artikulatorischen sowie akustischen Beschaffenheit, erklärt dies auf mehreren Ebenen. In der vorderen Mundregion liegen viele Nervenenden. Diese Lautbewegungen werden intensiver gespürt; das sensorische Feedback erleichtert Steuerung und Wiederholung. Vordere Laute sind zudem wahrnehmbar: Ein Kind, das das Gesicht einer Bezugsperson beobachtet, sieht die Lippenbewegungen bei /b/ oder /p/ deutlich. Das – die sichtbare Artikulationsbewegung beim Sprechen – dient als Vorlage.

Bei eingeschränktem Sichtkontakt fällt der Nutzen geringer aus. Ein gut sichtbares Gesicht auf Augenhöhe sowie deutliche, nicht übertriebene erleichtern die Wahrnehmung.

Ein transkultureller Befund

Das Muster der vorderen Laute zeigt sich sprachübergreifend. „Mama", „Papa", „Baba", „Dada" – diese frühen Wortformen tauchen in nahezu allen Sprachen der Welt auf. Im Deutschen, Englischen, Französischen, Türkischen und vielen weiteren Sprachen Kinder ihre engsten Bezugspersonen mit sehr ähnlichen Lautstrukturen.

Dies weist darauf hin, dass die Beschaffenheit der ersten Wörter weniger durch die jeweilige Muttersprache bestimmt wird als durch universelle physiologische Voraussetzungen. Bevorzugt werden jene Laute, die sensorisch gut wahrgenommen und motorisch leicht kontrolliert werden.

Für die Begleitung mehrsprachig aufwachsender Kinder ergibt sich daraus ein Hinweis: Die strukturelle Ähnlichkeit früher Wörter über Sprachgrenzen hinweg verdeutlicht gemeinsame biologische Grundlagen des Spracherwerbs. stellt dabei keine Erschwernis dar, sondern eine Erweiterung: Mehrere Lautsysteme werden erschlossen, gestützt durch dieselben entwicklungsbiologischen Voraussetzungen.

Häufige erste Wörter im Deutschen und ihre Form

Im Deutschen gehören zu den frühen Wörtern oft: „Mama", „Papa", „Nein", „da", „Ball", „Weg", „Auto" oder der Name eines Geschwisterkindes. Sie sind kurz, meist ein- oder zweisilbig, und ihre Silbenstruktur folgt häufig dem Muster einer Konsonant-Vokal-Verbindung – zum Beispiel „ba", „da", „ma".

Die Silbenverdopplung bleibt in vielen frühen Wörtern sichtbar: „Mama", „Papa", „Wawa" für Wasser. Vertraute motorische Programme werden genutzt und mit gefüllt.

Erste Wörter dienen selten nur der Benennung. Ein Kind, das „da!" sagt und auf einen Gegenstand zeigt, teilt Aufmerksamkeit, kommentiert, fordert oder lehnt ab. Diese pragmatische Funktion – der kommunikative Einsatz von Sprache in sozialen Situationen – entwickelt sich parallel zur Lautform, nicht nach ihr.

Beobachten und Begleiten im Kita-Alltag

Pädagogische Fachkräfte in der Krippe und Kindertagespflegepersonen nehmen eine Schlüsselposition ein: Viele Stunden täglich werden mit Kindern im Erstworterwerb verbracht. Folgende Aspekte tragen in dieser Phase:

  • Sichtbarkeit des Gesichts: Sprechen auf Augenhöhe; das Mundbild unterstützt die Lautwahrnehmung.
  • Response mit sprachlichem Modell: Zielgerichtete Laute werden aufgegriffen und ruhig, natürlich erweitert – ohne Korrektur, ohne Aufforderung zur Wiederholung.
  • der Beobachtung: Festhalten, welche Lautformen ein Kind regelmäßig einsetzt und in welchen Situationen. Dies bietet Orientierung, ob die Entwicklung in einem plausiblen Rahmen verläuft.
  • Nutzung : Situationen, in denen Kind und Fachkraft dasselbe anschauen und benennen – ein Bild, ein Tier, ein Alltagsgegenstand – sind sprachlich wirksam.

Wenn ein Kind mit 1;6 noch kein einziges erkennbares Wort zeigt, ist dies ein Beobachtungshinweis, der im Gespräch mit Eltern und – bei Bedarf – durch medizinische oder logopädische Fachkräfte einzuordnen ist. Pädagogische Fachkräfte handeln dabei unterstützend, nicht diagnostisch.

Im Blick auf Kinder im ersten oder zweiten Lebensjahr: Welche Lautformen treten häufig auf – und in welchen Momenten werden sie bewusst eingesetzt? Was lässt die Qualität dieser frühen Lautäußerungen über die kommunikative Absicht des Kindes erkennen?