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Erzählfreude wecken: Einsatz von Vorlese- und Kreativ-Apps in der Kleingruppe

Digitale Anwendungen können den Erzählprozess in Kindertageseinrichtungen bereichern, wenn sie in eine eingebettet sind. Vorlese- und Kreativ-Apps wie Knietzsches Werkstatt oder Bea und Bahadir eröffnen Kindern Zugänge zu Geschichten vom Zuhören über das Nachfragen bis zum eigenen Erzählen. Der methodische Schwerpunkt liegt auf der sprachlichen Begleitung.

Von Udo Elfert
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Narrative Kompetenz und ihre Bedeutung in der Kleingruppe

bezeichnet die Fähigkeit, Erlebtes oder Erfundenes strukturiert zu erzählen. Kinder lernen, Figuren einzuführen, Handlungen zu verknüpfen und Ereignisse zeitlich zu ordnen. Ein Kind im Alter von vier Jahren und sechs Monaten äußert zum Beispiel: „Der Bär war traurig, weil… weil sein Honig weg war. Und dann kam die Biene.“ Derartige Äußerungen enthalten zentrale Bausteine wie Figur, Problem und Fortgang.

In der Kleingruppe entstehen reichhaltige Gesprächsanlässe. Kinder hören einander zu, ergänzen Ideen und bauen aufeinander auf. Anwendungen stellen Impulse, offene Enden oder gestaltbare Elemente bereit, um diesen Prozess anzustoßen.

Dialogisches Vorlesen als methodische Grundlage

bezeichnet eine interaktive Form des Vorlesens mit aktiver Mitgestaltung der Kinder. Anstelle einer linearen Rezitation entwickeln sich Fragen, Vermutungen und Erzählschleifen. Die pädagogische Begleitung umfasst das Innehalten, Aufgreifen und Erweitern kindlicher Beiträge.

Bei Bea und Bahadir lässt sich eine Szene anhalten, um gemeinsam zu überlegen: „Was glaubt ihr, warum Bahadir sich versteckt?“ Dies gestaltet das Vorlesen als gemeinsamen Denk- und Sprachraum.

Die Response als sprachbildendes Werkzeug

Die beschreibt die anschließende sprachliche Reaktion auf einen kindlichen Beitrag. Das Gesagte wird aufgegriffen, gespiegelt sowie inhaltlich oder grammatikalisch erweitert, ohne Korrekturen vorzunehmen.

Ein Beispiel während der Nutzung von Knietzsches Werkstatt:

  • Kind (4;3): „Der macht traurig.“
  • Fachkraft: „Ja, die Figur schaut wirklich traurig aus. Vielleicht hat sie ihren Freund verloren?“

Dabei wird das Motiv des Kindes übernommen, eine vollständige Struktur ergänzt und gleichzeitig ein Erzählimpuls geöffnet. Der zeitnahe Anschluss an das kindliche Anliegen ist maßgeblich. Der Wert der Response liegt in der Passung.

Praxisbeispiel: Kleingruppenarbeit mit Knietzsches Werkstatt

Knietzsches Werkstatt ermöglicht die Gestaltung eigener Geschichten mit Figuren, Orten und Ereignissen. In der Kleingruppe entfaltet die Anwendung ihr Potenzial.

Rahmen der Einheit:

  • Alter: 5;0 bis 6;0
  • Material: Tablet, ruhiger Raum, Sitzkreis
  • Dauer: 20 bis 25 Minuten
  • Gruppengröße: 3 bis 4 Kinder
  • Ablauf:
  1. Gemeinsame Auswahl einer Figur und eines Schauplatzes.
  2. Reihum ergänzt jedes Kind einen Handlungsschritt.
  3. Die Moderation umfasst das Bereitstellen von Rückfragen und das sprachliche Aufgreifen von Beiträgen.
  4. Abschließend wird die entstandene Geschichte gemeinsam angesehen und nacherzählt.

Die Kinder erfahren, dass ihre Ideen Teil einer gemeinsamen Erzählung werden. Zugleich üben sie zentrale Elemente narrativer Kompetenz ein.

Praxisbeispiel: Vorleseerlebnis mit Bea und Bahadir

Bea und Bahadir bietet vertonte Geschichten in mehreren Sprachen und unterstützt das mehrsprachige Vorlesen. In Kleingruppen mit unterschiedlichen kann eine Szene in einer Herkunftssprache gehört und auf Deutsch besprochen werden.

Ein Kind (5;2) mit türkischer Familiensprache übersetzt eigenständig: „Der sagt, er will nicht schlafen.“ Die Begleitung nimmt dies auf: „Er will noch nicht schlafen, obwohl es schon spät ist. Was könnte er stattdessen tun?“ Sprachwechsel fungieren dabei als Ressource. Weiterführende Anregungen zur Auswahl von Anwendungen enthält der Beitrag Auswahlkriterien für Sprachbildungs-Apps in der pädagogischen Praxis.

Beispielhafter Dialogleitfaden

Der folgende Leitfaden unterstützt die responsebasierte Interaktion während der App-Nutzung als flexible Orientierung:

  • Öffnen: „Was seht ihr auf diesem Bild?“ „Was könnte gerade passiert sein?“
  • Vertiefen: „Warum, glaubt ihr, macht die Figur das?“ „Wie fühlt sie sich wohl?“
  • Aufgreifen: Wortgetreue Spiegelung kindlicher Beiträge und Erweiterung um eine sprachliche Ebene.
  • Verknüpfen: „Erinnert euch das an etwas, das ihr selbst erlebt habt?“
  • Abschließen: „Wie soll die Geschichte weitergehen?“ „Womit endet sie?“

Die Begleitung gestaltet sich zurückhaltend, gewährt Pausen und respektiert abweichende Erzählwege.

Beobachtende Begleitung statt Bewertung

Der Erzählprozess in der Kleingruppe bietet Beobachtungsanlässe bezüglich greifbarer Impulse, und kreativer Wendungen. Diese Wahrnehmungen fließen in die pädagogische Planung ein.

In der praktischen Umsetzung erfolgt keine diagnostische Sprachstandsbewertung. Sprachbildung mit Apps ist als alltagsintegriertes Angebot von logopädischer oder medizinischer abgegrenzt. Zur qualitativen Einordnung dient der Beitrag Qualitätssicherung digitaler Lesemedien: Die Initiative lesenmit.app.

Zusammenfassung

Vorlese- und Kreativ-Apps wirken als Anlass für den Dialog, wenn sie durch dialogisches Vorlesen und passgenaue Responses gerahmt werden. Es entstehen gemeinsame Erzählungen zur Erprobung und Weiterentwicklung narrativer Kompetenz. Die strukturierte Begleitung appgestützter Erzählsituationen durch Dialogleitfäden dokumentiert sprachliche Lernprozesse.

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