Mehrsprachigkeit & Vielfalt 3 Min. Lesezeit

Gebärdensprache: Ein vollwertiges Sprachsystem

sind eigenständige, natürliche Sprachen mit voller grammatischer Struktur. Sie stehen der Lautsprache linguistisch in nichts nach – sie nutzen lediglich eine andere Modalität: die -gestische statt der auditiv-vokalen. In der inklusiven Praxis bildet diese Anerkennung die Grundlage für die Berücksichtigung gebärdensprachlicher Kompetenzen.

Von Udo Elfert
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Ein visuelles Sprachsystem mit eigener Grammatik

Ein visuelles Sprachsystem übermittelt Bedeutung über Handformen, Bewegungen, und die Position im Raum. Diese Elemente sind grammatikalisch strukturiert, vergleichbar mit Lauten und Wörtern der gesprochenen Sprache. In einer Kita-Gruppe zeigt sich das etwa, wenn ein hörgeschädigtes Kind eine Erzählung präsentiert: Blickrichtung und Raumnutzung tragen so viel Information wie die einzelnen Gebärden selbst.

Die Deutsche Gebärdensprache, kurz DGS, ist die in Deutschland gebräuchliche Gebärdensprache. Sie ist seit 2002 rechtlich als eigenständige Sprache anerkannt. Ihre unterscheidet sich deutlich vom Deutschen – etwa in der Satzstellung und in der Nutzung des Gebärdenraums für Bezüge zwischen Personen und .

Parallelen zur Lautsprache

Gebärdensprachen verfügen über alle Ebenen, die auch die Lautsprache prägen:

  • : Handform, Handstellung, Ausführungsort, Bewegung und Mimik übernehmen die Rolle der kleinsten bedeutungsunterscheidenden Bausteine.
  • : Gebärden lassen sich verändern und kombinieren, um Zeitformen, Mehrzahl oder Steigerungen auszudrücken.
  • : Es gibt klare Regeln zum Satzbau, häufig mit einer anderen Reihenfolge als im Deutschen.
  • : Auch hier bestimmen , Gesprächspartner und Situation die sprachliche Wahl.

Ein häufig missverstandener Aspekt ist die Ikonizität. Ikonizität bezeichnet die Ähnlichkeit einer Gebärde mit dem, was sie darstellt – etwa die Gebärde für „Haus“, die ein Dach andeutet. Diese Bildhaftigkeit macht Gebärdensprachen nicht zu bloßer Pantomime: Der überwiegende Teil der Gebärden ist konventionell festgelegt und muss erlernt werden.

Bedeutung für die inklusive Kita-Praxis

Die Anerkennung als vollwertige Sprache verändert den Blick auf Kinder, die mit Gebärdensprache aufwachsen: Sie sind sprachlich kompetent, oft mehrsprachig, und bringen kommunikative Ressourcen mit. Auch hörende Kinder profitieren, wenn einzelne Gebärden im Alltag genutzt werden – etwa in Ritualen, Liedern oder Bildbetrachtungen.

Die Gestaltung inklusiver Kommunikation umfasst folgende Bedingungen:

  • Visuelle Aufmerksamkeit wird vor sprachlichen oder gebärdensprachlichen Äußerungen hergestellt.
  • Mimik und fungieren als bedeutungstragende Elemente.
  • Fachpersonen für Deutsche Gebärdensprache werden bei Bedarf einbezogen.
  • Alle Modalitäten der kindlichen Kommunikation werden berücksichtigt.

Eine anschlussfähige ergibt sich, wenn die Kommunikationsangebote des Kindes visuell erfasst und beantwortet werden.

Zum Weiterdenken

Gebärdensprachen sind vollständige linguistische Systeme mit eigener Phonologie, Morphologie und Syntax. Die Anerkennung als gleichwertige Systeme erweitert das fachliche Verständnis von Sprache.

Die Betrachtung visueller Kommunikationsmittel – wie Mimik, und – zeigt deren Verankerung im pädagogischen Alltag sowie deren Einbindung in die Sprachbildung.

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