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Qualitätssicherung digitaler Lesemedien: Die Initiative lesenmit.app

Der Markt für Kinder-Apps wächst rasant. In App-Stores finden sich in kurzer Zeit zahlreiche Angebote für Vorschulkinder; auf den ersten Blick ist nicht erkennbar, welche sprachlich anregend, kindgerecht und pädagogisch durchdacht sind. Pädagogische Fachkräfte und Kitaleitungen stehen vor einer Orientierungsaufgabe: Digitale Medien sollen verantwortungsvoll eingesetzt werden, eine systematische Einzelprüfung aller verfügbaren Anwendungen ist im Alltag kaum leistbar. Die Initiative lesenmit.app bündelt geprüfte digitale Lesemedien an einem zentralen Ort. Sie wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gemeinsam mit der Stiftung Lesen ins Leben gerufen. Ziel ist eine verlässliche Orientierungshilfe für Fachkräfte, Kitaleitungen, Fachberatungen und Familien. Der stellt die Initiative vor, erläutert die Bewertungsmaßstäbe und beschreibt, wie die Plattform in die Medienauswahl eingebunden werden kann.

Von Udo Elfert
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Was lesenmit.app leistet und wer dahintersteht

Die Initiative lesenmit.app ist eine bundesweite Prüfinstanz für digitale Lesemedien. Als Prüfinstanz wird eine Stelle bezeichnet, die nach definierten Kriterien systematisch bewertet, ob Produkte bestimmte Qualitätsstandards erfüllen – vergleichbar mit einem Gütesiegel, jedoch mit transparenten Prüfkriterien. Im Fall von lesenmit.app wird diese Aufgabe durch die Stiftung Lesen übernommen, eine zentrale Fachorganisation für Leseförderung im deutschsprachigen Raum.

Geprüft wird die Eignung digitaler Anwendungen für kindliche Leseentwicklung und sprachliche Bildung. Aufgelistete Apps erhalten damit eine inhaltlich begründete Empfehlung, nicht lediglich eine Nutzungswertung. Die Plattform ersetzt keine eigene pädagogische Urteilsbildung; sie bietet eine erste Orientierung.

Digitale Lesemedien im Kontext der Sprachbildung

Digitale Lesemedien umfassen Apps, interaktive Bilderbücher, Vorlese-Anwendungen und sprachbezogene Lernprogramme auf mobilen Endgeräten oder Computern. Sie unterscheiden sich von Printmedien durch , die Verbindung von Sprache, Klang und Bild sowie die Möglichkeit zur mehrsprachigen Nutzung.

Für Kinder im Alter zwischen 4 und 6 Jahren können solche Anwendungen sprachliche Bereiche adressieren, die im Kita-Alltag schwer isoliert zugänglich sind: – also die Fähigkeit, Lautstrukturen in Wörtern wahrzunehmen und zu unterscheiden –, Wortschatzerweiterung, Textverständnis und erste schriftsprachliche Vorläuferfähigkeiten wie das Erkennen von oder Buchstabenformen. Apps wie Vorleseanwendungen mit nachgeführtem oder interaktive Wortschatztrainer können diese Bereiche ergänzen.

Digitale Medien ersetzen gemeinsames, und Erzählen nicht; sie bilden einen Baustein. Ein Mehrwert entsteht, wenn sie eingebettet, begleitet und mit anderen Sprachbildungsangeboten verknüpft werden.

Mehrsprachigkeit als Stärke digitaler Anwendungen

Ein Vorteil gut gestalteter Apps liegt in ihrer mehrsprachigen Ausrichtung. Anwendungen, die in zwölf, fünfzehn oder mehr Sprachen anbieten, ermöglichen Kindern den Wechsel zwischen und Deutsch und machen beide Sprachen gleichwertig sichtbar.

Dies stellt eine pädagogische Grundlage dar. Kinder, die mit mehreren Sprachen aufwachsen, bringen ein breites sprachliches Repertoire mit. Digitale Medien können dieses Repertoire aufgreifen und stärken – sofern als Normalfall und nicht als Fördermaßnahme erscheint.

Durch die Auswahl solcher Apps wird die Erstsprache gestärkt und zugleich werden Wortschatzbrücken ins Deutsche aufgebaut. Die Apps dienen als Gesprächsanlässe, die nach der Nutzung aufgegriffen werden; sie sind keine selbstlaufenden Sprachstunden.

Kriterien für eine fachlich begründete App-Auswahl

Neben der Prüfgrundlage von lesenmit.app ist ein Blick auf zentrale Auswahlkriterien angezeigt. Folgende Gesichtspunkte unterstützen die Einschätzung:

  • Altersangemessenheit: Passen der Inhalt, die Sprache und die Bedienlogik zur Entwicklungsstufe der Kinder in der Gruppe?
  • Sprachlicher Gehalt: Fördert die App aktives Sprachhandeln – also , Erzählen, Fragen stellen –, oder bleibt sie beim Konsum?
  • Mehrsprachigkeit: Bietet die Anwendung Möglichkeiten, in mehreren Sprachen zu navigieren?
  • Technische Rahmenbedingungen: Ist die App offline nutzbar? Auf welchen Betriebssystemen läuft sie? Fallen Folgekosten an?
  • Werbung und Datenschutz: Enthält die App Werbung, die nicht kindgerecht ist oder Datenschutzfragen aufwirft?

Preismodelle, Betriebssystemanforderungen und Offline-Verfügbarkeit können sich kurzfristig ändern. Vor dem Einsatz in der Kita ist die aktuelle Version im jeweiligen App-Store zu prüfen.

Einbindung in den pädagogischen Alltag

Empfehlungen entfalten Wirkung, wenn der Einsatz digitaler Medien in der Kita strukturell verankert ist. Einzelne Erprobungen durch eine pädagogische Fachkraft können ohne abgestimmte im Team erfolgen.

Erforderlich ist eine gemeinsame Medienkonzeption: Im Kollegium wird vereinbart, welche Rolle digitale Medien in der spielen, welche Apps nach welchen Kriterien ausgewählt werden und wie der Einsatz dokumentiert wird. Dabei kann lesenmit.app als Einstiegspunkt dienen, der im Team gemeinsam erkundet wird.

Praxisanregung: In einer Teamsitzung werden zwei bis drei Apps aus der lesenmit.app-Empfehlungsliste gemeinsam angesehen. Anschließend wird überlegt, welche Kinder in der Gruppe davon profitieren könnten, wie die App in eine Kleingruppe eingebettet werden kann und welche auf sprachliche Impulse der App möglich ist – also wie an das angeknüpft wird, was Kinder während oder nach der App-Nutzung äußern.

Grenzen der Plattform und eigenverantwortliches Urteilen

lesenmit.app ist ein Werkzeug und gewährleistet keinen passenden Einsatz im Einzelfall. Eine geprüfte App kann für eine Gruppe sehr passend sein und für eine andere deutlich weniger. Die Prüfung durch eine externe Instanz ersetzt nicht die situative Beurteilung vor Ort.

Alle Empfehlungslisten sind zeitgebunden. Was heute gelistet ist, kann in zwei Jahren technisch überholt, kostenpflichtig oder nicht mehr verfügbar sein. Regelmäßige Aktualisierungen im Team sind Bestandteil einer professionellen Medienpädagogik und gehen über reine Verwaltungstätigkeiten hinaus.

Die inhaltliche Förderentscheidung liegt bei der pädagogischen Fachkraft. Wenn beobachtet wird, dass ein Kind auf bestimmte sprachliche Impulse nicht anspricht, stellt dies einen Beobachtungsanlass dar, nicht eine . Die Weitergabe solcher an Fachberatungen oder – wenn angezeigt – an logopädische Fachkräfte bleibt davon getrennt.

Welche Kriterien nutzt das Team aktuell, wenn es um die Auswahl digitaler Medien geht – und wäre eine gemeinsame, kriteriengeleitete Sichtung wie lesenmit.app ein realistischer nächster Schritt für die Einrichtung?