Was ist die Hörmerkspanne?
Das auditive Kurzzeitgedächtnis ist Teil der auditiven Verarbeitung und Wahrnehmung. Seine Funktion besteht darin, gehörte Elemente wie Wörter oder Silben für kurze Zeit zu speichern. Bei einer Überprüfung wird diese Kapazität als Hörmerkspanne angegeben.
Ein einfacher Selbsttest
Zur praktischen Demonstration der Hörmerkspanne dient die Wiedergabe zufälliger Zahlenfolgen. Bei der unmittelbaren Nachsprechung unbekannter Ziffernfolgen zeigt sich die individuelle Kapazitätsgrenze des auditiven Kurzzeitgedächtnisses.
Bei kurzen Zahlenfolgen werden Elemente in der Regel zuverlässig wiedergegeben; bei längeren Folgen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass nicht alle Ziffern vollständig und in korrekter Reihenfolge reproduziert werden können. Die genaue Kapazitätsgrenze variiert individuell und mit dem Alter.
Überprüfung bei Kindern
Bei Kindern erfolgt die Überprüfung des auditiven Kurzzeitgedächtnisses meist nicht über Zahlenfolgen, sondern über silbenbasierte Einheiten. Dabei werden dem Kind sogenannte legale Nichtwörter wie „Risolamu“ (4 Silben) oder „Pinikarakula“ (6 Silben) auditiv dargeboten.
- Kann das Kind „Risolamu“ wiederholen, liegt die Hörmerkspanne bei mindestens 4.
- Kann es „Pinikarakula“ wiederholen, beträgt die Hörmerkspanne mindestens 6.
Altersabhängigkeit der Hörmerkspanne
Die Kapazität des auditiven Kurzzeitgedächtnisses ist altersabhängig: Je jünger ein Kind ist, desto geringer ist die Hörmerkspanne.
Statt einer festen Formel lässt sich zusammenfassend sagen, dass die Hörmerkspanne im Kindesalter altersabhängig zunimmt; es bestehen jedoch individuelle Unterschiede und kein starrer Rechenwert, der auf alle Kinder gleichermaßen anwendbar ist. Jüngere Kinder zeigen generell geringere Kapazitäten, die mit dem Vorschul- und frühen Schulalter zunehmen und sich allmählich dem Niveau älterer Kinder und Erwachsener annähern.
Bedeutung für den Spracherwerb
Die Hörmerkspanne steht in direktem Zusammenhang mit dem Spracherwerb. Eine geringe Hörmerkspanne erschwert es dem Kind, mehrsilbige Wörter im Gedächtnis zu behalten und vollständig abzuspeichern.
Für das Alter bis zwei Jahre ist es daher typisch, dass Silben innerhalb eines Wortes ausgelassen werden (Tilgung von Silben):
- Aus „Elefant“ wird „Fant“.
- Aus „Banane“ wird „Nane".
Ähnliche Effekte zeigen sich im Bereich der , wo neben sprachstrukturellen Reifungsprozessen auch die Kapazität des auditiven Gedächtnisses eine Rolle spielt. Ein- und Zweijährige sprechen überwiegend in kurzen Ein- und ; dies hängt mit dem frühen Stand der Grammatikentwicklung und mit begrenzten kurzzeitigen Speicherressourcen zusammen.
Die Auswirkungen einer geringen Hörmerkspanne zeigen sich zudem darin, dass drei- und vierjährige Kinder Schwierigkeiten bei der Bearbeitung mehrteiliger Aufträge aufweisen.
Hörmerkspanne und Sprachentwicklungsstörung
Bei Kindern mit einer schweren (SES) zeigt sich signifikant häufiger eine unterdurchschnittliche Hörmerkspanne.
Lässt sich die Hörmerkspanne trainieren?
Nicht im direkten Sinne. Da es sich bei der Hörmerkspanne um das Maß für ein basales Gedächtnisphänomen – das auditive Kurzzeitgedächtnis – handelt, ist dieses einem direkten Training im Rahmen der kaum zugänglich und kann durch gezielte Übungen kaum erhöht werden.
Deshalb gilt eine geringe Hörmerkspanne zwar als Risikofaktor für eine spätere Lese-Rechtschreib-Schwäche und wird beispielsweise mithilfe des BISC überprüft. Beim darauffolgenden Trainingsprogramm (Würzburger Trainingsprogramm, HLL) wird das auditive Gedächtnis dann jedoch nicht trainiert, da es sich als kaum trainierbar erweist.
Wenn das auditive Gedächtnis dennoch spielerisch angeregt werden soll, geschieht dies am ehesten durch strukturierte Gedächtnisspiele wie „Ich packe meinen Koffer".
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