Hören, Aussprache & Sprechen 3 Min. Lesezeit

Sigmatismus einordnen: Lispeln in der kindlichen Entwicklung

als phonetisches Phänomen Der Sigmatismus, umgangssprachlich Lispeln, bezeichnet eine abweichende Bildung der . Abweichend produzierte S-Laute sind in der kindlichen Entwicklung häufig Teil des Lauterwerbs und stellen nicht per se eine klinische Störung dar. Die Unterscheidung zu einer besteht darin, dass bei letzterer ein Laut systematisch durch einen anderen ersetzt wird. Ob eine behandlungsbedürftige Auffälligkeit vorliegt, wird durch eine fachliche geklärt. Als phonetisches Phänomen betrifft der Sigmatismus einzelne Laute, während und in der Regel unauffällig bleiben. Entsprechende Auffälligkeiten stehen häufig im Zusammenhang mit der Zungenmotorik, dem Mundschluss oder der Koordination der beteiligten Muskulatur (siehe „Das myofunktionelle System: Mundmuskulatur und “).

Von Udo Elfert
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Formen im Überblick

Für die ist die Unterscheidung der häufigsten Formen relevant; maßgeblicher Anhaltspunkt ist die Position der Zunge bei der Lautbildung.

  • : Die Zungenspitze tritt zwischen die Schneidezähne. Der S-Laut ähnelt einem englischen „th“. Diese Form tritt im Kita-Alter besonders häufig auf.
  • : Die Zunge drückt von innen gegen die Schneidezähne, ohne hervorzutreten. Der Luftstrom wird gestaut, weshalb der S-Laut gepresst oder dumpf wirkt.
  • Sigmatismus lateralis: Die Luft entweicht seitlich an der Zunge vorbei, wodurch der Laut schlürfend klingt.

Illustrationen der Zungenposition bei interdentaler und addentaler Lautbildung unterstützen die Zuordnung im Team.

Beobachtung im Stuhlkreis

Der Morgenkreis bietet einen natürlichen Rahmen, um die in freier Rede zu beobachten. In Liedern, Reimen oder kurzen Erzählrunden stehen S-haltige Wörter wie „Sonne“ oder „Sessel“ im Fokus.

Relevante Beobachtungspunkte umfassen:

  • Position der Zungenspitze beim S-Laut
  • Vorhandensein eines entspannten Mundschlusses beim Sprechen
  • Auftreten der Auffälligkeit bei allen Zischlauten oder nur bei einzelnen Lauten
  • Verhalten der Zungenruhelage beim Schlucken oder in Trinkpausen

Wahrnehmungen werden sachlich und ohne Bewertung dokumentiert. Beobachtungen stellen keinen medizinischen Befund dar, sondern bilden die Grundlage für und die Zusammenarbeit mit logopädischen Fachkräften.

Fachliche Abgrenzung

Lispeln tritt bei vielen Kindern auf und wird durch den Zahnwechsel der Schneidezähne häufig verstärkt. Zum Zeitpunkt des Schuleintritts lispeln etwa 10 Prozent aller Kinder. Eine fachliche Abklärung ist angezeigt, wenn das Lispeln stark ausgeprägt ist oder weitere Merkmale wie fehlender Mundschluss, fehlende Nasenatmung oder ein fehlerhaftes Schluckmuster hinzukommen.

Pädagogische Beobachtungen dienen der und der Gesprächsvorbereitung. und die Einleitung von Therapien erfolgen ausschließlich durch medizinisches oder logopädisches Fachpersonal. Grundlagen zur Lautbildung sind im Beitrag „Physiologie der Lautbildung: Von der Atmung zum Wort“ dargelegt.

Transfer in die Praxis

Die Erfassung wiederkehrender S-Wörter in Morgenkreisliedern unterstützt die gezielte Beobachtung im Team, den kollegialen Austausch sowie die Vorbereitung von Elterngesprächen.