Hören, Aussprache & Sprechen 4 Min. Lesezeit

Woher kommt der Klang? Spiele zur Förderung des Richtungshörens

Fachlicher Hintergrund 1.1 und Als Richtungshören wird die Fähigkeit bezeichnet, die Position einer Schallquelle im Raum zu bestimmen. Der fachliche Oberbegriff lautet Schalllokalisation. Kinder erkennen damit nicht nur, dass ein Schallereignis stattfindet, sondern bestimmen auch die Richtung – ob von rechts oder links, von oben oder unten, nah oder fern. Ein konkretes Beispiel verdeutlicht dies: Beim Rascheln eines Blattes im Garten wendet ein Kind den Kopf zielsicher zur Schallquelle. 1.2 als Grundlage Das binaurale Hören als Zusammenspiel beider Ohren bildet die physiologische Basis für die Ortung. Beide Ohren nehmen Schallwellen mit minimalen Zeit- und Lautstärkeunterschieden auf. Das zentrale Nervensystem wertet diese Differenzen aus und ermittelt daraus die Richtung. Bei Ausfall oder Schwächung einer Hörseite ist die Ortungsleistung eingeschränkt. 1.3 im Alltag Die akustische Orientierung beschreibt die gezielte Nutzung von Klängen zur räumlichen Orientierung. Sie unterstützt Kinder bei der sicheren Fortbewegung, beim Gruppenspiel und beim Hören im Stimmengewirr. Eine ausgeprägte Lokalisationsfähigkeit beschleunigt die Zuwendung zu sprachlichen Reizen und stellt einen zentralen Baustein der Sprachwahrnehmung dar.

Von Udo Elfert
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Spielideen für Garten und Turnraum

Die folgenden Spielformen sind mit geringem Materialaufwand umsetzbar. Als Utensilien dienen mechanische Wecker, Glöckchen, Rasseln oder Klanghölzer.

2.1 Der versteckte Wecker

  • Alter: ab 3;6
  • Material: mechanischer Wecker mit hörbarem Ticken
  • Dauer: 10–15 Minuten
  • Ablauf: Die Spielleitung platziert den Wecker im Raum oder im Außenbereich. Währenddessen schließen die Kinder die Augen. Anschließend erfolgt die Suche ausschließlich auf akustischem Weg. Wer den Wecker findet, übernimmt beim nächsten Durchgang das Verstecken.

2.2 Glöckchenpfad

  • Alter: ab 4;0
  • Material: ein Glöckchen, Augenbinde oder Tuch
  • Dauer: 5–10 Minuten pro Kind
  • Ablauf: Ein Kind trägt eine Augenbinde. Eine zweite Person bewegt sich langsam mit dem Glöckchen durch den Raum, während das lauschende Kind folgt. Die Gruppe stellt dabei freie Wege und Sicherheit sicher.

2.3 Klangkreis

  • Alter: ab 4;6
  • Material: verschiedene kleine Instrumente
  • Dauer: 10 Minuten
  • Ablauf: Die Kinder stehen im Kreis, während ein Kind mit geschlossenen Augen im Zentrum steht. Ein ausgewähltes Kind aus dem Kreis lässt ein Instrument erklingen. Das Kind im Zentrum zeigt in die vermutete Richtung.

2.4 Tierrufe im Wald

  • Alter: ab 3;0
  • Material: keines
  • Dauer: 10 Minuten
  • Ablauf: Zwei bis drei Kinder entfernen sich im Garten und imitieren leise Tierrufe wie Eule, Katze oder Kuckuck. Die suchenden Kinder folgen den Stimmen. Diese Spielform verknüpft Richtungshören mit Stimmerkennung.

Beobachten und dokumentieren

Beim Spielen zeigen sich differenzierte Verläufe: Einige Kinder lokalisieren Schallquellen unmittelbar, während andere mehrere Versuche benötigen oder Kreisbewegungen ausführen. Solche dokumentieren individuelle Wahrnehmungsmerkmale und stellen keine dar.

Relevante Beobachtungskriterien umfassen:

  • konsistentes Abweichen in falsche Richtungen
  • Reaktionen ausschließlich bei sehr lauten oder nahen Klängen
  • auffällige Vermeidung von Spielen mit geschlossenen Augen

Bei mehrwöchiger Beständigkeit dieser Merkmale erfolgt ein Austausch mit den Eltern sowie eine fachärztliche Abklärung durch die zuständigen Fachstellen. Pädagogische Sprachbildung und medizinische sind dabei organisatorisch getrennt.

Verknüpfungen im Kita-Alltag

Das Richtungshören lässt sich mit weiteren Bereichen der auditiven Förderung verbinden. Vertiefende Hinweise enthalten die Beiträge Geräuschwelten entdecken: Förderung der durch Klänge und Hören und Bewegen: Akustische Reize in Motorik und Rhythmik umsetzen.

Medienhinweis: Skizzen für Spielaufbauten zur akustischen Orientierung befinden sich im begleitenden Materialbereich.

Impuls zur Reflexion

Die räumlichen Bedingungen in Kindertagesstätten bieten unterschiedliche Voraussetzungen für Lauschspiele und ermöglichen die bewusste Gestaltung akustischer Rückzugsbereiche zur Förderung der auditiven Wahrnehmung.