Haltung: Druck herausnehmen, Dialog stärken
Als zweites Grundprinzip gilt die . Sprachverankerung erfordert einen gemeinsamen Fokus von Kind und Bezugsperson auf denselben Gegenstand oder dieselbe Handlung. Das Vorgehen umfasst Interaktion auf Augenhöhe, das Mitverfolgen des kindlichen Blickes sowie die Benennung aktueller Interessen.
Drei Basisstrategien für die Interaktion
Die folgenden drei Strategien bilden das Kernrepertoire in der Begleitung von .
Handlungsbegleitendes Sprechen
bezeichnet das parallele Kommentieren von Handlungen der Beteiligten. Die direkte Verknüpfung von Sprache und Handlungsverlauf erhöht die Verständlichkeit. Bei Pflegeroutinen wie dem Wickeln lautet die verbale Begleitung: „Jetzt öffne ich die Windel. Da sind die Beine. Wir ziehen die Hose hoch.“ Kennzeichnend sind kurze Sätze, ein ruhiges Sprechtempo und eine passende Betonung.
Sprachliches Modellieren
bezeichnet die korrekte und erweiterte Rückgabe kindlicher Äußerungen ohne Korrekturaufforderung. Bei einer kindlichen Äußerung von „Auto!“ (mit 2;3 Jahren) lautet eine Entgegnung: „Ja, das rote Auto fährt schnell.“ Das Kind erhält ein sprachliches Modell in einem situativ passenden Moment. Diese Anknüpfung bindet den Beitrag ein und erweitert ihn zugleich Die Response als Grundprinzip: Warum Interaktion für den Spracherwerb unersetzlich ist.
Turn-Taking
beschreibt den Wechsel von Gesprächsbeiträgen, der auch ohne verbale Sprache anwendbar ist: Schlägt ein Kind auf eine Trommel, antwortet die Fachkraft im selben Rhythmus, worauf das Kind erneut reagiert. Solche Wechselspiele bereiten spätere Dialoge vor. Nach einer Frage oder einem Impuls ermöglicht eine von fünf bis zehn Sekunden dem Kind einen eigenen Beitrag.
Alltagsintegrierte Umsetzung in der Krippe
Der Krippenalltag bietet zahlreiche natürliche Sprechanlässe in wiederkehrenden Situationen mit hohem Ritualwert:
- Morgenkreis: Kurze Lieder mit Gesten, Namensspiele und feste Wortmuster.
- Mahlzeiten: Benennung von Speisen, Angebot von Wahlmöglichkeiten („Apfel oder Birne?“) sowie Begleitung von Handlungen.
- An- und Ausziehen: Versprachlichung von Kleidungsstücken, Körperteilen und Ablaufstrukturen.
- : Orientierung am kindlichen Interesse und sprachliche Rahmung der Gemeinsame Aufmerksamkeit: Joint Attention.
- im Zweierdialog: Einsatz kleiner Bücher mit klaren Motiven im langsamen Tempo sowie Zeigen und .
Ein hoher Wiederholungsgrad ist fachlich grundlegend. Kinder mit geringem benötigen dieselben Begriffe in unterschiedlichen zur sicheren Begriffsbildung.
Wortschatz gezielt erweitern
Ein zentrales Ziel in der sprachbildenden Begleitung von Late-Talkern ist die Wortschatzerweiterung. Maßgeblich ist nicht die Quantität neuer Wörter, sondern die tragfähige Verankerung einzelner Begriffe im Denken, Handeln und Gespräch des Kindes.
Weniger ist mehr
Ein neues Wort, das ein Kind über mehrere Tage wiedererkennt und selbst verwendet, besitzt einen höheren Erkenntniswert als die tägliche Einführung zahlreicher neuer Begriffe. Entsprechend erfolgt eine Auswahl weniger Begriffe, die zum aktuellen Interessenradius des Kindes passen. Ein Begriff wird beispielsweise über drei Tage hinweg bewusst aufgegriffen, bevor ein weiterer Wortinhalt hinzukommt.
Wiederholung auf mehreren Ebenen
Wiederholung beschränkt sich nicht auf das wiederholte Aussprechen eines Wortes, sondern wirkt auf sprachlicher, inhaltlicher und methodischer Ebene. Auf sprachlicher Ebene kann ein Ball mehrfach in einem kurzen Dialog vorkommen: „Ein Ball! Was für ein schöner roter Ball! Möchtest du gerne den Ball haben?“ Inhaltlich erfolgt die wiederkehrende Aufgreifung desselben Gegenstands oder derselben Handlung. Methodisch unterstützen vertraute Bilderbücher, Sprachrituale und Routinen die Wortfestigung.
Handeln, Alltag und Bewegung verbinden
Wörter erschließen sich besonders gut, wenn Kinder sie mit eigener Handlung und Wahrnehmung verknüpfen. Vom Greifen auf der sensomotorischen Ebene führt der Entwicklungsweg über das Begreifen auf der kognitiven Ebene zum Begriff auf der sprachlichen Ebene. Greift ein Kind nach dem Ball, erlebt dessen Bewegung und vernimmt zugleich die Benennung, entsteht ein , in dem Wörter mit Gegenständen, Handlungen, Eigenschaften und Erfahrungen verknüpft sind. Vertiefend dazu: Das mentale Lexikon: Semantische Netzwerke aufbauen.
Reduzierte Sprache, hohe Qualität
Reduzierte sprachliche Komplexität verbindet sich mit einer hohen Passgenauigkeit. Die Verwendung kurzer Sätze, die Betonung von Schlüsselwörtern sowie nonverbale Unterstützung durch und strukturieren das Angebot. Parallele Kommentare oder dichte Fragefolgen entfallen. Eine ruhige, dem Kind zugewandte Sprachgestaltung bildet die Grundlage. Zudem ist der Zeitpunkt der Reaktion maßgeblich: Sie erfolgt unmittelbar auf das kommunikative Signal des Kindes, wodurch der kindliche Erfahrungszusammenhang gestützt wird.
Beobachten und im Team abstimmen
Die erfasst die vom Kind genutzten Wörter und Laute, die sowie sprachliche Reaktionsweisen. Diese Aufzeichnungen stützen den kollegialen Austausch sowie , ersetzen jedoch keine diagnostische Einordnung. Zeigt sich zwischen dem 2. und dem 2,5. Lebensjahr keine erkennbare sprachliche Entwicklung, ist ein klärendes Gespräch über eine ärztliche Abklärung im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung angezeigt.
Zusammenarbeit mit Eltern
Eltern verfügen über fundierte Kenntnisse des kindlichen Verhaltens. Die Erhebung von Erfahrungswerten umfasst Lieblingsspiele, Erstwörter in der sowie typische Kommunikationssituationen im häuslichen Umfeld. Ein später Sprechbeginn stellt keinen erziehungsbedingten Sachverhalt dar. Fachliche Anregungen für das häusliche Umfeld beinhalten das gemeinsame Betrachten von Bilderbüchern, das Gewähren von Sprechpausen sowie eine reichhaltige sprachliche Begleitung in der Familiensprache. wird als Ressource und nicht als Risikofaktor verstanden.
Zum Weiterdenken
Late-Talker profitieren von einer klaren, ruhigen und dialogorientierten . Handlungsbegleitendes Sprechen, sprachliches Modellieren und Turn-Taking bilden ein tragfähiges Grundgerüst für die Integration im Krippenalltag.
Für die praktische Anwendung eignen sich insbesondere wiederkehrende Alltagssituationen der jeweiligen Gruppe zur bewussten Gestaltung von Sprechpausen und modellierender Sprache.
