Kennzeichen der alltagsintegrierten Sprachbildung
Die sprachliche Kommunikation stellt neben der nonverbalen Kommunikation (Körpersprache) eine zentrale Form des menschlichen Austauschs dar. Der österreich-britische Philosoph Ludwig Wittgenstein formulierte es prägnant: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ Für Kinder ermöglichen sprachliche Kompetenzen ein aktives Handeln sowie das Erleben von Selbstwirksamkeit, wodurch Sprache einen essenziellen Zugang zur Welt bildet. In Bildungsinstitutionen wie Kitas und Schulen kommt der Sprachbildung daher eine herausgehobene Bedeutung zu.
Sprachbildung wird überwiegend als verstanden. Ihr wird häufig die gegenübergestellt, wobei Sprachförderung keinen Gegenpol bildet, sondern eine fachliche Ergänzung darstellt. Alltagsintegrierte Sprachbildung zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:
- Sie findet im gesamten Einrichtungsalltag statt (von der morgendlichen Begrüßung bis zur Nachmittagsverabschiedung).
- Sie richtet sich an alle Kinder, unabhängig von Erst- oder Zweitsprache, Alter, Sprachstand oder eventuellen Auffälligkeiten beim Spracherwerb.
- Sie ist in natürlichen Alltagssituationen verortet.
- Sie fungiert als , die alle Bildungs- und Entwicklungsbereiche durchzieht.
- Sie ist unabhängig von räumlichen Bedingungen und Gruppengrößen (Großgruppe, Kleingruppe oder Einzelbetreuung).
- Sie benötigt keine spezifischen Zusatzmaterialien.
- Sie orientiert sich an den situativen Interessen, den allgemeinen Interessen und den Lebenswelten der Kinder.
- Sie ist individuell, prozess-, kompetenz- und inklusiv orientiert.
Soziale Grundlagen und fachliche Anforderungen
Kinder erwerben Sprache im Wesentlichen in sozialen (vgl. interaktionistische Erklärungsansätze des Spracherwerbs). Im Rahmen der alltagsintegrierten Sprachbildung bildet die Gestaltung vertrauensvoller sozialer Beziehungen eine zentrale Grundlage. Dies stellt fachliche Anforderungen an pädagogische Fachkräfte: , Sensibilität, , , Reflexionskompetenz sowie Fachwissen und praktische Handlungskompetenz. Da Kinder Sprache auch durch und erwerben, kommt pädagogischen Fachkräften eine modellhafte Funktion zu.
Umsetzung in der Praxis
In der Praxis umfasst die alltagsintegrierte Sprachbildung den Einsatz gezielter Sprachbildungsstrategien, sprachförderlichen Verhaltens sowie entwicklungs- und prozessorientierter Sprachbeobachtungsverfahren (, liseb, /). Zudem besitzen die kontinuierliche Teamfortbildung sowie der Ausbau fachlicher Kompetenzen der einzelnen Fachkräfte einen hohen Stellenwert. Die Implementierung der alltagsintegrierten Sprachbildung stellt einen fortlaufenden und nicht abgeschlossenen Entwicklungsprozess dar.
