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Autonome Kindersprache: Primitivsymbole und Lallkomplexe

bezeichnet die selbstgeschaffene Sprache eines Kindes in der Übergangszeit vom Lallen zum konventionellen Wort, bei der selbst gebildete Lautmuster fest an Bedeutungen gekoppelt werden.

Von Udo Elfert
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Was autonome Kindersprache bezeichnet

Autonome Kindersprache meint die eigenständig gebildete Sprache in der Übergangsphase zum konventionellen . Das Kind verknüpft Lautmuster fest mit Bedeutungen und setzt diese kommunikativ ein. Ein Kind (1;3) verwendet beispielsweise konsequent „dada“, wenn es auf sein Kuscheltier zeigt – für andere nutzt es andere Formen. Diese stabile Zuordnung begründet ein Zeichensystem, dessen Wortschatz zunächst vor allem für enge Bezugspersonen verständlich ist.

Primitivsymbole: erste eigene Zeichen

Primitivsymbole sind die einzelnen Wortschöpfungen innerhalb dieses Systems. Sie entstehen häufig aus , lautmalerischen Anklängen oder verkürzten Erwachsenenwörtern. Charakteristisch ist ihre feste, kindeigene Bedeutung: Das Symbol „ham“ kann bei einem Kind (1;2) sowohl „Ich habe Hunger“ als auch „Das ist essbar“ bedeuten – je nach Situation.

Lallkomplexe als Übergangsform

Lallkomplexe bezeichnen längere, melodisch geformte Lautketten, die klanglich bereits an Sätze erinnern, aber noch keine konventionellen Wörter enthalten. Das Kind kommuniziert mit , und , während die Lautform eigenständig gebildet wird. Am Wickeltisch produziert ein Kind (1;5) eine Erzählung aus „dadeda-boi-nane“, begleitet von zeigenden Gesten. Solche Lallkomplexe zeigen, dass das Kind Rhythmus, Sprechmelodie und Dialogstruktur beherrscht, bevor der konventionelle Wortschatz stabil ist. Diese Lallkomplexe stehen beim sehr stark im Vordergrund. Weiterführend: siehe „Expressiver Spracherwerbsstil“.

Vom Fehlermodell zum Kompetenzmodell

Ältere Sichtweisen deuteten Babywörter als unvollständige oder fehlerhafte . Diese Perspektive rückt das Kind in ein Defizit und übersieht, dass es aktiv ein Symbolsystem aufbaut. Moderne Kompetenzmodelle verstehen die autonome Kindersprache dagegen als eigenständige Leistung. Das Kind zeigt:

  • Symbolbildung: Es koppelt Lautform und Bedeutung.
  • : Es richtet Äußerungen an ein Gegenüber.
  • Systematik: Es verwendet seine Wörter konsistent.
  • : Es nutzt Blick, , Intonation und Pausen.

In der fachlichen Einordnung gelten Babywörter somit als eigenständige Zwischenschritte mit eigenem Recht.

Pädagogischer Umgang mit kindlichen Eigenbezeichnungen

Wenn ein Kind ein Primitivsymbol nutzt, steht anstelle direkter Korrekturen die sprachliche im Vordergrund. Eine feinfühlige greift die Bedeutung auf und bietet die konventionelle Form ergänzend an, ohne das kindliche Wort abzuwerten.

Am Fenster zeigt ein Kind (1;7) hinaus und ruft: „Wauwau!“ Die pädagogische Fachkraft antwortet: „Ja, da läuft ein Hund vorbei. Ein großer, brauner Hund.“ Durch diese Bezugnahme wird die kindliche Äußerung bestätigt und die Zielform im dargeboten.

Relevante Vorgehensweisen im pädagogischen Alltag:

  • Verzicht auf Herabsetzungen oder explizite Korrekturen von Babywörtern.
  • Kurzes Aufgreifen der kindlichen Form mit anschließendem Angebot der Zielform.
  • von Eigenbezeichnungen im Team, damit alle Bezugspersonen anschlussfähig reagieren können.
  • Information der Eltern darüber, dass die autonome Kindersprache eine gesunde Entwicklungsleistung darstellt.

Weiterführend zu konkreten Sprachbildungsstrategien: siehe „Methodik der Sprachbildung: Umgang mit Babywörtern“.

Abgrenzung zur logopädischen Perspektive

Die pädagogische dieser Phase ist keine Einordnung im medizinischen Sinne. Wenn sich Auffälligkeiten zeigen – etwa ausbleibende , fehlende kommunikative Absicht oder ein deutlich verzögerter Wortschatzaufbau –, ist das ein Beobachtungsanlass. Die pädagogische Fachkraft dokumentiert und tauscht sich mit den Eltern und der Fachberatung aus. Weitere Schritte liegen bei medizinischen oder logopädischen Fachpersonen.

Zusammenführung und Reflexion

Autonome Kindersprache, Primitivsymbole und Lallkomplexe markieren eine kompetente Etappe auf dem Weg zur Zielsprache. Wer sie als eigenständige Leistung anerkennt, gestaltet Dialoge, die Kinder tragen und weiterführen. Die Berücksichtigung kindlicher Eigenbezeichnungen im pädagogischen Alltag unterstützt die sprachliche Begleitung und sichert ein einheitliches Vorgehen im Team.