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Der Wortkorb: Wie Kleinkinder Erfahrungen bündeln

Der Wortkorb beschreibt die Bündelung konkreter Erfahrungen unter einem einzigen Wort. Das Kind hat noch keine abstrakten Kategorien gebildet, sondern legt Sinneseindrücke, Handlungen, Situationen und Beziehungen gedanklich in einen gemeinsamen „Korb“. Ähnlichkeiten nach Form, Bewegung, Klang oder Funktion können dabei eine Rolle spielen. Ebenso wichtig sind die persönlichen Erfahrungen, die ein Kind mit einem Gegenstand, einer Person oder einer Situation verbindet.

Von Udo Elfert
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Was ein Wortkorb ist

Ein Beispiel aus der Krippe: Ein Kind (1;4) sagt „Wauwau“, wenn es den Familienhund sieht. Mit „Wauwau“ kann das Kind zunächst nicht nur ein pelziges Tier mit vier Beinen meinen. Das Wort kann ebenso für das pelzige Etwas stehen, das bei ihm zu Hause auf dem Teppich liegt und immer an Papa hochspringt, wenn er ins Zimmer kommt. In diesem Wortkorb sind konkrete Seh-, Tast-, Bewegungs- und Beziehungserfahrungen gebündelt. Wenn das Kind später auch auf eine Katze, ein Pferd im Bilderbuch oder eine Kuh im Zoo mit „Wauwau“ zeigt, nutzt es die Verbindungen, die es zwischen diesen neuen Eindrücken und seinen bisherigen Erfahrungen wahrnimmt.

Auch der Wortkorb „Reis“ kann sehr erfahrungsgebunden sein. Für ein Kind ist „Reis“ zunächst nicht nur eine bestimmte Speise. Das Wort kann mit dem Besuch bei der Großmutter, dem gemeinsamen Essen an ihrem Tisch, einem bestimmten Geruch oder einer wiederkehrenden Situation verbunden sein, wenn es Reis immer dort gibt. Diese konkrete Erfahrung des Reisessens bei der Oma gehört dann ebenfalls zum Wortkorb des Kindes.

Vorstufe zur Kategorienbildung

Die Kategorienbildung ist die kognitive Leistung, , Ereignisse oder Personen zu Klassen zusammenzufassen, die durch gemeinsame Merkmale definiert sind – etwa „Tier“, „Fahrzeug“ oder „Essen“. Diese Fähigkeit entwickelt sich schrittweise und ist an Wortschatzwachstum, Erfahrung und Denken gekoppelt. Am Anfang stehen dabei häufig keine abstrakten Oberbegriffe, sondern konkrete, sinnlich und emotional geprägte Erlebnisse.

Der Wortkorb geht dieser Leistung voraus. Er ist beweglich und wird immer wieder umgepackt. Sobald ein Kind neue Wörter erwirbt, sortiert es die Inhalte um: Aus dem großen Korb „Wauwau“ lösen sich nach und nach eigenständige Bezeichnungen für Katze, Pferd und Kuh. Das , also der innere Speicher für Wortbedeutungen, differenziert sich zunehmend aus. So entsteht Schritt für Schritt ein Netz aus Bedeutungen, das die Grundlage für stabile Kategorien bildet.

Funktion der Wortkörbe

Der Wortkorb ist eine effiziente kommunikative Strategie:

  • Er ermöglicht dem Kind, sich mit wenigen Wörtern über viele Themen auszutauschen.
  • Er entlastet das Gedächtnis, weil noch nicht für jede Erfahrung ein eigenes Wort benötigt wird.
  • Er sichert die Teilhabe am Dialog, auch wenn der noch klein ist.
  • Er zeigt, dass das Kind Ähnlichkeiten wahrnimmt und ordnend denkt.

Diese kommunikativen Leistungen stellen eine Form aktiver Sinnbildung dar.

Bedeutung für die pädagogische Begleitung

Fachkräfte begegnen dem Wortkorb in Pflege-, Spiel- und Essenssituationen. Wenn ein Kind (1;8) beim Blick aus dem Fenster „Auto“ ruft und damit auch den Bus, den Lkw und den Traktor meint, ist dies ein Anlass, die Bedeutungen sukzessive auszudifferenzieren. Dabei geht es nicht nur um sichtbare Merkmale, sondern auch um die Erfahrungen, die das Kind mit Fahrzeugen, Fahrten oder bestimmten Personen verbindet.

Das Vorgehen umfasst folgende Schritte:

  • Das Kindwort bestätigend aufgreifen: „Ja, da fährt etwas!“
  • Das Zielwort präzise anbieten: „Das ist ein Bus. Der Bus ist groß.“
  • Merkmale und Erfahrungen sprachlich hervorheben: Farbe, Größe, Geräusch, Funktion und die konkrete Situation.
  • Bilderbücher gezielt nutzen, um Vergleiche und Unterschiede sichtbar zu machen.

Dies stellt ein sprachliches Angebot dar, das die kindlichen Äußerungen aufgreift und erweitert. Weiterführende Hinweise zu frühen Wortformen enthält der : Primitivsymbole und Lallkomplexe.

Zusammenfassung

Der Wortkorb zeigt, wie Kleinkinder mit begrenztem eine große Welt ordnen. Er bündelt konkrete Erfahrungen und ist ein produktiver Zwischenschritt auf dem Weg zu differenzierten Begriffen und tragfähigen Kategorien. Die systematische früher Wortkörbe dokumentiert die und bildet die Grundlage für eine sprachfördernde Begleitung.