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Babyzeichen in der Krippe: Kommunikation vor der Lautsprache

Was Babyzeichen sind Babyzeichen sind einfache, meist ikonische Handgesten, die pädagogische Fachkräfte und Eltern gemeinsam mit dem gesprochenen Wort anbieten. Sie orientieren sich an alltäglichen Bewegungen: Die Hand führt an den Mund („essen“), der Daumen deutet zum Mund („trinken“), die Fingerspitzen tippen aneinander („nochmal“). Ein Beispiel aus der Krippe: Beim Frühstück sagt die pädagogische Fachkraft „Möchtest du trinken?“ und zeigt zugleich das Zeichen. Ein Kind mit 0;11 kann die Geste nach wenigen Wochen aufgreifen und signalisiert damit seinen Wunsch, noch bevor es das Wort formen kann. Zur fachlichen Abgrenzung gehört: Babyzeichen sind keine im linguistischen Sinn. Sie stellen ein pädagogisches Angebot zur Unterstützung der frühen Kommunikation dar und ersetzen weder die Lautsprache noch eine fachlich indizierte Begleitung durch logopädische Fachkräfte.

Von Udo Elfert
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Überbrückung der motorischen Lücke

In den ersten zwei Lebensjahren kann eine deutliche Spanne zwischen Sprachverstehen und Sprechen liegen. Kinder verstehen bereits viele Wörter, ihre feinmotorische Steuerung der Artikulationsorgane reicht jedoch häufig noch nicht aus, um diese präzise zu bilden. Diese Phase ist durch eine Diskrepanz zwischen Sprachverstehen und Ausdrucksfähigkeit gekennzeichnet.

Babyzeichen unterstützen in dieser Phase, da die Handmotorik früher verlässlich zur Verfügung steht als die Sprechmotorik. und Praxiserfahrungen legen nahe, dass Kinder, die Zeichen nutzen, in der Regel nicht später sprechen. Häufig begleiten die Zeichen den Spracherwerb und können von allein verschwinden, sobald das gesprochene Wort verfügbar ist.

Symbolverständnis als Grundlage

Die Anwendung von Zeichen setzt ein wachsendes voraus. Damit ist die Fähigkeit gemeint, dass etwas (eine Geste, ein Bild, ein Wort) für etwas anderes steht (einen Gegenstand, eine Handlung, einen Wunsch). Beispiel aus der Krippe: Ein Kind mit 1;2 sieht das Zeichen für „Apfel“, blickt zur Obstschale und lächelt – es hat die Verbindung zwischen Geste und realem Gegenstand hergestellt.

Dieses Symbolverständnis entwickelt sich schrittweise. , Bilderbücher sowie das Zeigen und im Alltag bilden die Basis, auf der Babyzeichen aufbauen.

Der Platz im Konzept der vorsprachlichen Kommunikation

Vorsprachliche Kommunikation umfasst alle kommunikativen Signale des Kindes vor dem ersten Wort: , , Lautieren, Zeigen, . Babyzeichen fügen diesem Repertoire eine strukturierte Ebene hinzu.

Für die kommunikative Einbettung ist eine zeitnahe, sprachlich passende Reaktion auf kindliche Signale relevant. Wenn ein Kind ein Zeichen anwendet, verknüpft eine prompte, sprachlich passende Reaktion das Signal mit dem gesprochenen Wort. Das Zeichen öffnet den Dialog, während die Antwort diesen fortführt.

Einführung in der Krippe: Ein realistischer Einstieg

Für den Start genügen wenige Zeichen, die im Krippenalltag mehrmals täglich vorkommen. Bewährt haben sich:

  • essen – Fingerspitzen an den Mund führen
  • trinken – Daumen zum Mund, wie bei einer Tasse
  • nochmal – Fingerspitzen beider Hände tippen aneinander
  • fertig – flache Hände drehen sich nach außen
  • schlafen – flache Hand an die Wange legen

Diese Auswahl deckt zentrale Bedürfnisse ab und lässt sich in Essens-, Wickel- und Ruhesituationen natürlich einbetten.

5.1 Grundprinzipien für die Umsetzung

  • Parallele Verwendung von Lautsprache und Zeichen: Das Zeichen ergänzt das Wort, es ersetzt es nicht.
  • Reduzierte Zeichenanzahl bei konsequenter Anwendung: Zwei bis drei Zeichen im Team abstimmen und über Wochen verlässlich anbieten.
  • Einbindung in sinnhafte Situationen: Das Zeichen „trinken“ wird am Tisch und nicht abstrakt vorgeführt.
  • Flexible Anwendung: Kinder greifen Zeichen unterschiedlich schnell oder gar nicht auf; beide Verhaltensweisen entsprechen der normalen Entwicklung.
  • Einbezug der Eltern: Ein kurzer Aushang mit Fotos der Zeichen schafft Kontinuität zwischen Krippe und Zuhause.

5.2 Ein Beispiel aus dem Krippenalltag

Zum Beispiel könnte ein Kind mit 1;4 am Tisch sitzen und den leeren Becher wegschieben. Die pädagogische Fachkraft könnte kurz innehalten, das Kind anschauen und fragen: „Möchtest du nochmal trinken?“ Sie zeigt dabei die beiden Zeichen für „nochmal“ und „trinken“. Das Kind könnte nicken, das Zeichen für „nochmal“ aufgreifen und lächeln. Die Fachkraft könnte antworten: „Ja, du bekommst nochmal Wasser.“ Diese kurze, passgenaue Reaktion verknüpft Wahrnehmung, Zeichen und Wort zu einer gemeinsamen Bedeutung.

Fachliche Einordnung der Beobachtung

Babyzeichen stellen ein Kommunikationsangebot dar. Greift ein Kind Zeichen selten oder gar nicht auf, lässt dies keinen unmittelbaren Rückschluss auf den zu. Dies dient als Beobachtungsanlass, der im Team und im Austausch mit Eltern eingeordnet wird. Bei anhaltenden Fragen zur Kommunikationsentwicklung bilden die Kinderarztpraxis oder eine logopädische Fachkraft die passende Anlaufstelle – Sprachbildung in der Krippe und fachliche Abklärung stellen zwei getrennte Aufgabenfelder dar.

Zusammenführung und Reflexion

Babyzeichen sind ein praxistaugliches Werkzeug, um Kindern in der Krippe schon vor dem ersten Wort verlässliche Ausdrucksmöglichkeiten zu geben.

Für die praktische Umsetzung empfiehlt sich die Auswahl geeigneter Alltagssituationen zur konsequenten Einführung von zwei bis drei Babyzeichen sowie eine Abstimmung im Team und mit den Eltern.