Mehrsprachigkeit & Vielfalt 3 Min. Lesezeit

Bilingualismus und Bilingualität: Fachbegriffe sicher unterscheiden

In Konzeption und Teamgesprächen erscheinen Bilingualismus und häufig nebeneinander – gelegentlich . Für eine präzise Fachkommunikation ist eine Unterscheidung beider Begriffe relevant, da sie unterschiedliche Ebenen desselben Phänomens beschreiben.

Von Udo Elfert
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Bilingualismus: der Erwerbsprozess

Bilingualismus bezeichnet den Prozess des Erwerbs zweier Sprachen. Gemeint ist der dynamische Verlauf, in dem ein Kind zwei Sprachsysteme aufbaut, differenziert und im Alltag anwendet. Dieser Verlauf verändert sich kontinuierlich mit den Kontakten, Beziehungen und Themen des Kindes.

Ein Beispiel aus der Kita: Ein Kind (2;10) spricht zu Hause Türkisch und lernt in der Kita Deutsch. Es erweitert den in beiden Sprachen parallel, erprobt Satzstrukturen und wechselt situativ zwischen den Sprachen. Diese Prozesse gehören zum Bilingualismus.

Ob ein Kind beide Sprachen von Geburt an oder zeitversetzt erwirbt, beeinflusst den Verlauf. Vertiefende Hinweise dazu finden sich unter Simultaner Mehrspracherwerb: Von Geburt an zwei Sprachen Sukzessiver Spracherwerb: Der Weg zur Zweitsprache.

Bilingualität: der Zustand der Zweisprachigkeit

Bilingualität beschreibt den Zustand der Kommunikationsfähigkeit in zwei Sprachen. Im Fokus steht die aktuelle sprachliche Ausstattung: welche Sprachen zur Verfügung stehen, in welchen Bereichen und in welcher Qualität diese genutzt werden.

Ein Beispiel: Ein Kind (5;3) versteht Polnisch in Familiengesprächen, spricht überwiegend Deutsch und wechselt beim Vorlesen zwischen beiden Sprachen. Diese Momentaufnahme beschreibt die Bilingualität des Kindes.

Bilingualität ist selten symmetrisch. Sprachen werden oft domänenspezifisch genutzt – etwa die für Emotionen und Rituale, die für Sachthemen aus der Kita. Diese Vielfalt stellt eine fachliche Ressource dar.

Der Unterschied auf einen Blick

  • Bilingualismus: der Weg, also der Erwerb und die Entwicklung zweier Sprachen über die Zeit.
  • Bilingualität: die Momentaufnahme, also die aktuelle einer Person.

Bildhaft gesprochen verhalten sich beide Begriffe wie Fluss und Wasserstand: Der Bilingualismus entspricht der Bewegung, die Bilingualität dem Pegel zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Bedeutung für Team und Konzeption

Eine klare Terminologie stärkt die fachliche Verständigung. In Teamgesprächen ermöglicht sie eine präzise Beschreibung beobachtbarer Sachverhalte: Wird über den Verlauf des Spracherwerbs oder über den aktuellen Sprachstand gesprochen? In der Konzeption schafft die Unterscheidung eine gemeinsame Grundlage, um mehrsprachige Bildungsangebote fundiert darzustellen und mit Eltern sowie Fachberatung transparent zu kommunizieren.

Zur fachlichen Überprüfung der Konzeption dient die Klärung, an welchen Stellen die Trennung von Erwerbsprozess und Sprachstand die Aussagekraft stützt.

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